07.12.2020

Selbstmanagement in Krisenzeiten

Screenshot vom Workshop-Team.Trainer/-innen, Koordinatorin, Dolmetscher/-innen und Psychologinnen bereiteten das Seminar in enger Zusammenarbeit vor. © KWB

Wie man sich auch in Krisenzeiten fokussiert, seine Bedürfnisse und Ziele im Blick behält sowie Klarheit über die nächsten und übernächsten Schritte bekommt, vermittelten Silke Potthast und Dr. Oliver Borszik in ihrem Resilienz-Training. Was sie normalerweise Unternehmen für ihre Mitarbeitenden anbieten, setzten sie dieses Jahr zum zweiten Mal mit einer Zielgruppe um, die sich auf dem Weg aus einer besonderen Lebenskrise befindet: binnengeflüchtete Ukrainerinnen, die sich beruflich selbstständig machen wollen. Als Hybridseminar parallel in drei Regionen gleichzeitig führten sie das dreitägige Seminar mit erstaunlichem Ergebnis durch.

Jährlicher Auftrag des Auswärtigen Amtes

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes führten Silke Potthast und Dr. Oliver Borszik vom 13. bis 15. Oktober 2020 das Resililienz-Training mit dem Titel "Meine Motive und Ziele entdecken und handlungsfähig sein" durch. Die Gruppe der ukrainischen binnengeflüchteten Frauen setzte sich aus Teilnehmerinnen eines internationalen Projekts zusammen, das ihnen ermöglicht, sich mittels Trainings, Coachings, Mentoren/-innen und finanziellen Zuschüssen selbständig zu machen. Sie erhalten beispielsweise Schulungen zum Erstellen eines Business-Plans und auch das Resilienz-Training für den Umgang mit herausfordernden Situationen.

Wie auch in den letzten Jahren sollte das Trainergespann der KWB die Teilnehmerinnen eigentlich vor Ort in der Ukraine schulen und sie dabei unterstützen, auf dem Weg zur beruflichen Selbständigkeit ihre Motive besser zu verstehen, ihre Ziele für das neue Leben und die Zukunft zu formulieren und handlungsfähig auch in stressigen und herausfordernden Situationen zu bleiben.

Unwägbare Rahmenbedingungen

Aber die Pandemie erforderte neue Wege und einen offenen sowie flexiblen Umgang mit unwägbaren Rahmenbedingungen. Absagen kam für keinen Beteiligten in Frage. In einem intensiven Austausch mit dem Kooperationspartner ELEOS in der Ukraine, den Kollegen/-innen der TLA, den Psychologinnen und Dolmetscher/-innen und dem Trainergespann wurden Lösungen entwickelt, modifiziert, verworfen und wieder neu entwickelt.

Am Ende hatten alle den Mut, sich gegenseitig zu vertrauen und sich aufeinander einzulassen, obwohl niemand wusste, ob der neu entwickelte Weg zur Umsetzung auch wirklich greifen würde. Ihr Plan: Zeitgleich über Zoom in den drei Regionen Kiev, Dnepro und Czernowitz 34 Teilnehmerinnen parallel anleiten. Vor Ort würden Psychologinnen und Dolmetscher/-innen das Training begleiten. 

Umgang mit Emotionen in Online-Formaten

"Das Herausfordernde war, dass wir die Teilnehmerinnen in drei Regionen parallel in einen sehr intensiven persönlichen Entwicklungsprozess führen wollten, der sie zwar am Ende stärkt, aber auch tiefe Emotionen anspricht", so Dr. Oliver Borszik. "Und das mit Teilnehmerinnen, die ihre Heimat und manchmal auch Angehörige durch den Krieg verloren haben, nun vor einem Neubeginn stehen und mit den Folgen der Pandemie konfrontiert sind."

Methodenfindung für die Online-Schulung 

Bilder liegen zur Auswahl auf dem Boden verteilt.
Über die Auswahl und Beschreibung eines Bildes machten die Teilnehmerinnen ihre unbewussten Motive und Bedürfnisse greifbarer. © KWB

Inhaltlich baute das Training auf die Wünsche der Teilnehmerinnen vom vergangenen Jahr auf. Neben dem Erkennen von teilweise unbewussten persönlichen Motiven wurden praktische Übungen umgesetzt, die beim Erreichen der privaten und beruflichen Ziele mehr Handlungssicherheit geben sollten.

"Dafür kombinierten wir das Zürcher Ressourcen Modell ZRM mit seinem ressourcenorientierten Ansatz und der Arbeit auf der kognitiven und emotionalen Ebene mit der 'Gartenmethode', die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf UKE entwickelten wurde und die Körperwahrnehmung in den Mittelpunkt stellt", erläutert Silke Potthast. 

Erfolgskriterien für das Training

Es kristallisierten sich verschiedene Kriterien heraus, um das ressourcenorientierte Training in den drei Regionen so zu steuern, dass es erfolgreich ist. Die digitale Schulung erforderte eine enge Einbindung der Psychologinnen vor Ort, um beispielsweise die Gruppendynamik im Blick zu behalten und auf spontane, digital weniger sichtbare Reaktionen der Teilnehmerinnen eingehen zu können.

Im Vorfeld fand eine Begleitung der Kollegen/-innen der TLA statt, die mit wertvollen Hinweisen für Online-Schulungen zur Verfügung standen. Gemeinsam mit der TLA wurden zwei Settings für die hybride Schulung entwickelt:

•    Die parallel und für die drei Regionen gleichzeitig stattfindenden fachlichen Impulse sowie die Anleitungen von Gruppen- und Einzelarbeit wurden von nur einer Dolmetscherin konsekutiv übersetzt und in alle drei Regionen übertragen.

•    Die Einzel-, Tandem- und Gruppenarbeit selbst sowie der persönliche Austausch fanden in geschützten Breakout-Rooms statt. Silke Potthast und Dr. Oliver Borszik konnten in Begleitung einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers in die "Räume" hineinschauen, um spontan mit einer Psychologin oder den Teilnehmerinnen ins Gespräch zu gehen oder Rückmeldungen und Hilfestellungen zu geben. So konnten sie gute Eindrücke über die Atmosphäre in den Gruppen sowie die persönliche Arbeit und Fortschritte der Teilnehmerinnen erlangen.

Gefühlte Nähe trotz räumlicher Distanz 

 
Dr. Oliver Borszik
Dr. Oliver Borszik brachte das Training nicht nur viel Spaß sondern hinterließ auch großen Eindruck und einen neuen Erfahrungshorizont. © KWB

"Am ersten Tag haben sich die Teilnehmerinnen noch an das ungewöhnliche Format und auch die intensiven Inhalte gewöhnen müssen", berichtet Dr. Oliver Borszik. "Erst allmählich stellten sie sich auf die Lernerfahrungen auf der emotionalen, kognitiven und körperlichen Ebene ein."

Im Verlauf des Trainings öffneten sich die Teilnehmerinnen jedoch nicht nur sich selbst und ihrer Gruppe gegenüber, sondern auch gegenüber den Teilnehmenden der anderen Regionen. So wurden sie immer mutiger und traten öfter ans Mikrofon. "Sie trauten sich, nicht nur ihrer Gruppe im geschützten Rahmen von sich zu erzählen, sondern auch den Teilnehmerinnen in allen drei Regionen von ihren oft sehr persönlichen Entwicklungsschritten zu berichten. Sie präsentierten ihre Ergebnisse und machten sich gegenseitig Mut, den eigenen Weg zu gehen", berichtet Silke Potthast.

Gestärkte und optimistische Teilnehmerinnen

Die Teilnehmerinnen gingen gestärkt aus dem Training hervor. Bei der Beschreibung ihrer eigenen Körperempfindungen, die fachlich auch als somatische Marker bezeichnet werden, am Ende des Seminars fanden sie starke Worte:
"Meine Batterie im Herzen ist aufgeladen. Ich habe rote Wangen vor Freude." oder "Eine gelbe Sonne strahlt in alle Richtungen aus meinem Bauch heraus. Es keimt, entsteht neu und fließt aus mir heraus."

Silke Potthast
Auch für die erfahrene Trainerin Silke Potthast war das Training etwas ganz Besonderes. © KWB

"Für uns als Trainerin beziehungsweise Trainer war es beeindruckend und berührend, auf dieser internationalen Ebene und in diesem komplexen Setting immer wieder in die sehr persönlichen Momente der Teilnehmerinnen eingebunden zu werden", erklärt Silke Potthast.

Wichtige Arbeit der Psychologinnen und Dolmetscher/-innen vor Ort

"Unsere Hochachtung gilt den wirklich sehr flexiblen Psychologinnen vor Ort, die so wundervoll begleitet, angestupst, erklärt, Trauer, Glück und Liebe aufgefangen sowie Mut gemacht haben. Auch die professionellen und leidenschaftlichen Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die diese feinen emotionalen Nuancen sprachlich so gut eingefangen haben, waren von elementarer Bedeutung", so Potthast.

Victoria Litvinenko, Psychologin in Czernowitz, resümiert: "Ich habe kolossale Erfahrungen sammeln können. Das war ganz neu für mich, wie schnell der Prozess bei den Teilnehmerinnen Fahrt aufnahm. Die Teilnehmerinnen haben für sie wertvolle Ergebnisse mitgenommen." Und Aliona Golovina, Psychologin in Kiev ergänzt: "Ein sehr kraftvolles Seminar. Es hat Kraft gekostet aber auch viel gegeben. Das Trainerpaar strahlt eine besondere Wärme aus. Das hat das Training geleitet."

Resümee von Trainerin und Trainer

Silke Potthast führte das ZRM-Training schon mehr als dreißig Mal mit Gruppen oder auch im Einzelcoaching durch. "Ich hätte vorher nie gedacht, dass es den einzelnen Teilnehmerinnen bei diesem hybriden Format so gut gelingt, in den intensiven und persönlichen Arbeitsprozess einzusteigen. Dass sich in den Gruppen ein so starker Spirit entwickelt, der in allen drei Regionen übergreifend eine spürbare, kraft- und energievolle Atmosphäre entstehen ließ, hat mich ehrlich überrascht. Ich hatte schon lange nicht mehr so viele Gänsehaut-Momente wie bei diesem Training", so die Trainerin.

"Der Erfolg basiert sicher auf unserer guten Vorbereitung und unserem Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Resilienz-Trainings, aber auch an unserem Mut, neue Wege zu gehen. Durchführbar war es nur durch die tolle Zusammenarbeit aller Beteiligten! Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Kollegen Dr. Oliver Borszik. Ohne seine Begleitung hätte ich mir so ein komplexes Projekt mit so vielen Unwägbarkeiten nicht zugetraut", erklärt Silke Potthast.

Dr. Oliver Borszik zieht ebenfalls ein positives Fazit: "Ich habe durch die Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Silke Potthast unschätzbare Erfahrungen beim Moderieren und Anleiten von Gruppen zum Thema Resilienz gesammelt. Diesen Zuspruch von den Teilnehmerinnen zu erhalten und auch die Wertschätzungen unseres Konzepts und Auftritts durch die Psychologinnen und Dolmetscher/-innen vor Ort waren unvergleichbar."

Termine

 

22. Januar 2021 plus 1 Follow-up-Coaching

Standortbestimmung - den roten Faden für die Weiterentwicklung legen

Zeit: Freitag, 9:00 bis 17:00 Uhr
Trainerin: Silke Potthast

Anmeldung

 

28. und 29. Januar 2021

Online-Seminar: Professioneller Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeiter/-innen

Zeit: Donnerstag, 14:00 bis 17:15 Uhr und Freitag, 10:00 bis 13:15 Uhr
Trainer/-innen: Bettina Below und Gisbert Stein

Anmeldung

 

4. und 5. Februar 2021 plus 1 Follow-up-Coaching

Resilienz-Workshop - Selbstfürsorge für Führungskräfte
Zeit: Donnerstag und Freitag, 09:00 bis 17:00 Uhr
Trainerin: Silke Potthast

Anmeldung

 

25. und 26. Februar 2021

Anti-Bias-Workshop - Vielfalt managen und fair führen
Zeit: Donnerstag, 14:00 bis 18:00 Uhr und Freitag, 10:00 bis 18:00 Uhr
Trainerinnen: Dr. Rita Panesar und Silke Potthast

Anmeldung

 

Start Supervisions-Gruppe 26. Mai 2021

Supervision für weibliche Führungskräfte
Zeit: Mittwoch, 17:00 bis 20:00 Uhr
Supervisorin: Silke Potthast

Anmeldung